Eine mehr als ein dreiviertel Jahr lange Durststrecke ist nun endlich beendet: nach etwas mehr als neun Monaten gewinnt der BSC Hastedt endlich wieder ein Pflichtspiel! Dabei sah es in dieser hochintensiven und gegen Ende sogar fast dramatischen Partie zunächst nicht danach aus, als ob das Team vom Jakobsberg gegen den VfL 07 Bremen Punkte einsacken würde.

Das Personal

Der BSC Hastedt begann die Partie in einer 3–5–2-Formation, wobei es im Vergleich zur 0:1-Niederlage gegen den SC Borgfeld am vorangegangenen Dienstag einige Änderungen gab. So war beispielsweise Torhüter Pascal Jalloh aus privaten Gründen heute nicht am Jakobsberg zugegen, für ihn stand Filip Wazny zwischen den Pfosten. In der Dreierkette standen Khalil Maarouf, Krenar Mjekiqi und Esed Tetik bei Anpfiff auf dem Feld, Letzterer feierte gegen den VfL 07 Bremen seine Premiere für Hastedts erste Herrenmannschaft. Er ersetzte dabei Derin Eray, den das Trainerteam dieses Mal auf die rechte Mittelfeldseite beordert hatte. Dort ersetzte er den heute ebenfalls abwesenden Jeremy Pacholski. Der Rest der Startformation blieb unverändert: Umut Topcu und Blenton Mjekiqi bildeten das defensive Mittelfeld, Derin Eray versuchte indes zusammen mit Suan Memedi und Roy Kanagarajah die beiden Spitzen Damir Begic und Khalid Fathi mit verwertbaren Bällen zu füttern.

Das Spiel

Die Trikots waren noch nicht einmal leicht angeschwitzt, da klingelte es bereits zum ersten Mal. VfL-Stürmer Charles Ehiogie profitierte von einem derben Patzer der Verteidigung, sodass der Gäste-Stürmer, wohlgemerkt Jahrgang 1977, der gesamten Hastedter Abwehr enteilen und zum 0:1 eintüten konnte (2. Minute). Die Gesichter der grob geschätzt 30 Zuschauer wurden schon länger, doch auf dem Platz entwickelte sich keineswegs Resignation. Nur eine Minute später hatte Damir Begic bereits den Ausgleich auf dem Fuß, sein Schuss rauschte aber leider über das Tor des VfL 07 Bremen, in dem mit Safa Kilic der Stammtorhüter des BSC Hastedt der Vorsaison stand. Es entwickelte sich in der Folge eine temporeiche, energische und zuweilen auch recht rustikale Partie, die alsbald ihren Tribut forderte. Schon in der 19. Minute musste Hastedts Khalid Fathi angeschlagen vom Feld, für ihn kam Arda Erkan Güven in die Partie – ein Wechsel, der sich später noch auszahlen sollte. Nur neun Minuten später erwischte es dann Esed Tetik, der von Kevin Walker ersetzt wurde – ebenfalls ein Spieltausch, der sich später als wertvoll erweisen sollte. Doch für den Moment hatten die Gäste aus Findorff noch deutlich die Oberhand, auch als sie nach etwas mehr als einer halben Stunde zu einer günstigen Freistoßgelegenheit kamen. Der Ball ruhte, vom Schützen aus gesehen, in der Nähe der linken Strafraumecke. Der stramme Schuss von Nick Enghardt touchierte zwar ganz leicht das eine oder andere Hastedter Abwehrbein, flog jedoch durch die Mauer und die Hände von BSC-Keeper Wazny ins untere linke Eck zum 0:2 (32. Minute). Abgesehen von der Bank des VFL 07 gab es nun bedröbbelte Gesichter allerorten und die ersten Zuschauer zahlten bereits ihren Deckel und wandten sich gen Ausgang – eine an diesem Tage äußerst voreilige, ja fast schon dämliche Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. Denn im Gegensatz zu früheren Spielen gab es dieses Mal kaum hängende Köpfe zu sehen, der BSC Hastedt versuchte weiterhin Druck auf den Gegner aufzubauen. In der 42. Minute beispielsweise feuerte Suan Memedi ein kraftvolles Geschoss in Richtung des Gästetores, dass VfL-Torwart Kilic nur mit Mühe noch zur Ecke abwehren konnte. Auch in dieser Schlussphase der ersten Halbzeit hatte dieses Landesligaspiel nichts an seiner rustikalen Note eingebüßt, sodass es kurz vor dem Halbzeitpfiff erstmalig farbig wurde: Hastedts Umut Topcu bekam die erste gelbe Karte dieser Partie vors Gesicht gehalten, womit Schiedsrichter Leon Schneider eines der unzähligen Fouls der ersten Hälfte ahndete. Doch der Unparteiische aus der Schiedsrichterabteilung des SC Weyhe meisterte diese hitzige Partie gut, lies sich nicht aus der Ruhe bringen und strahlte die Souveränität aus, die es in so einer Lage braucht.

Zu Beginn der zweiten Hälfte musste der BSC Hastedt bereits seinen dritten Wechsel durchführen: Roy Kanagarajah hatte sich am Steißbein verletzt, er wurde durch Hendrik Rupieper ersetzt – sehr zur Freude einer ganzen Traube von Hendriks Freunden, die diesem Moment von der kleinen Zuschauerterasse aus entgegen gefiebert hatten. Nur wenige Minuten nach Wiederanpfiff stellte der VfL 07 Bremen in Person von Süleyman Gencboy, der zwischen Juli und November 2014 insgesamt siebenmal das Trikot des BSC Hastedt in der Bezirksliga getragen hatte, den Ausgleich in Sachen Verwarnungen her (50. Minute). Der daraus folgende Freistoß landete bei Arda Erkan Güven, der den Ball zunächst zu einem Mannschaftskollegen befördern wollte. Dieser Pass misslang jedoch auf so kuriose Weise, dass der Ball wieder beim mittlerweile in Schussposition angekommenden Güven landete – plötzlich stand es nur noch 1:2 (51. Minute). Auf Hastedter Seite blühte nun Hoffnung auf, während sich bei den Gäste offenbar Nervosität breit machte. Die Folge: Arbeit für Schiedsrichter Schneider. Erst sahen die Hastedter Blenton Mjekiqi (54. Minute) und Suan Memedi (60. Minute) die gelbe Karte, dann war es der Ex-Hastedter Gencboy, der einen Verbesserungsvorschlag zu viel in Richtung des Referees adressierte. Wenn man schon Gelb hat ist das meist keine gute Idee, und so war es auch diesmal, denn er wurde prompt vom Feld geampelt (62. Minute). Nach dem nun fälligen Freistoß kam BSC-Stürmer Damir Begic zum Schuss und holte immerhin eine Ecke heraus. Diesen Eckball trat der eingewechselte Kevin Walker und traf damit den Kopf von Krenar Mjekiqi, selbiger beförderte die Kugel aus rund 16 Metern Entferung unhaltbar für Kilic zum 2:2 ins Netz (63. Minute). Der Jubel auf Hastedter Seite war groß, denn dass der BSC das letzte Mal einen 0:2-Rückstand aufgeholt hatte ist grob geschätzt schon so lange her, dass sich Paläontologen damit beschäftigen müssen. Der VfL 07 Bremen wechselte, brachte Ferdi Ibrahim Kök für Torschütze Nick Enghardt (65. Minute), war nun sichtbar sauer und wollte sich mit dem nun drohenden Punktverlust nicht abfinden. Ihre Versuche dem zu entgehen wurden in der 73. Minute belohnt, als erneut Charles Ehiogie seine Mannschaft nach einem Querpass in Kombination mit einem Hastedter Abwehr-Kuddelmuddel seine Mannschaft zum 2:3 in Führung schoss (73. Minute). War nun der Akku leer? Keineswegs! Nur Sekunden nach Wiederanpfiff zirkelte Damir Begic den Ball zu Arda Erkan Güven, der mit seinem zweiten Treffer des Tages den Ausgleich wiederherstellte (ebenfalls 73. Minute). War der VfL 07 vor diesem Treffer nur sauer, waren sie nun richtig sauer. Jankuba Camara schoss dabei ein wenig übers Ziel hinaus, bekam dafür die gelbe Karte verpasst (76. Minute) und wurde von VfL-Trainer Björn Krämer zu seinem eigenen Schutz vom Feld genommen (78. Minute, für ihn kam Leon Van-Göns). Doch der BSC Hastedt hatte mittlerweile vollständig die Kontrolle über diese Begegnung übernommen, und so mussten die in Unterzahl spielenden Gäste einen der spektakulärsten Treffer mit ansehen, die es am Jakobsberg je gegeben hatte. Nach einem Foul fast an der trainerbankseitigen Seitenlinie entschied der Schiedsrichter auf Freistoß für den BSC Hastedt, die Entfernung zum Tor betrug grob geschätzt 30 Meter. Der eingewechselte Kevin Walker, bisher in dieser Saison noch gänzlich ohne Torerfolg, nahm sich der Sache an. Sein Fuß versetzte den Ball in eine unheimlich hohe Flugkurve die erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Gateway Arch in St. Louis (Missouri) hatte. Die Kugel segelte über sämtliche im Strafraum versammelten Köpfe hinweg und setzte sich dann hinter den ausgestreckten Armen von Torwart Safa Kilic zärtlich zum 4:3 in die Innenseite des linken Außennetzes (86. Minute). Nach einigen weiteren bangen Minuten feierte ein Platzsturm den ersten Pflichtspielsieg des BSC Hastedt seit über neun Monaten.

 

Zitat

„Wir wussten von Anfang an: wenn wir einen machen, wenn wir ein Tor erzielen, dann werden wir das Spiel gewinnen oder Unentschieden spielen. Wir müssen einfach immer irgendwie treffen, das habe ich den Jungs von Anfang an gesagt. Ich finde es richtig geil von den Jungs dass sie auf dem Platz fighten und kämpfen bis zum Gehtnichtmehr. Die wollen einfach nicht absteigen, die wollen einfach jedes Spiel gewinnen! Was das wichtigste ist: wir hatten bisher sieben oder acht Trainingseinheiten zusammen, dabei hat sich ein ganz großartiges Mannschaftsgefüge entwickelt. Aus den ‚alten‘ und ’neuen‘ Hastedtern ist ein richtiges Team gewachsen, das freut mich unheimlich. Das hat man beispielsweise nach dem Abpfiff gemerkt, als sich alle gefreut und umarmt haben, das war einfach phänomenal. Ich bin wahnsinnig stolz auf die Jungs, die wirklich alles umgesetzt haben wir uns vorgenommen haben, beispielsweise sich bei einer Führung nicht hinten rein drängen zu lassen. Ich sag mal so: Totgesagte leben länger!“

— Mehmet Dinkçi, Co-Trainer BSC Hastedt

Ausblick

Für den BSC Hastedt stehen im November 2022 noch insgesamt vier Landesligaspiele an, alle auswärts. Den Anfang macht das Gastspiel in Weyhe beim TSV Melchiorshausen (So., 13.11., 13:30 Uhr), gefolgt vom Nachholspiel in Bremerhaven beim TSV Wulsdorf (Mi., 16.11., 19:30 Uhr). Danach geht es nach Gröpelingen zu TuRa Bremen (Sa., 19.11., 14:30 Uhr) und zum SV Grohn (So., 27.11., 14:00 Uhr). Die letzten beiden Spiele vor der Winterpause steigen dann am 4.12. um 14:00 Uhr am Jakobsberg gegen den SV Türkspor Bremen-Nord und am 11.12. um 14:00 Uhr auswärts beim SC Vahr-Blockdiek.

Spieldaten

Tore:
0:1 Charles Ehiogie (2. Minute, Vorarbeit unbekannt, 2. Saisontor)
0:2 Nick Enghardt (32. Minute, direkter Freistoß, 1. Saisontor)
1:2 Arda Erkan Güven (51. Minute, Vorarbeit Arda Erkan Güven, 1. Saisontor)
2:2 Krenar Mjekiqi (63. Minute, Vorarbeit Kevin Walker, 1. Saisontor)
2:3 Charles Ehiogie (73. Minute, Vorarbeit unbekannt, 3. Saisontor)
3:3 Arda Erkan Güven (73. Minute, Vorarbeit Damir Begic, 2. Saisontor)
4:3 Kevin Walker (86. Minute, direkter Freistoß, 1. Saisontor)

Personal BSC Hastedt:
Eingesetzte Spieler: Filip Wazny – Esed Tetik (28′ Kevin Walker), Krenar Mjekiqi, Khalil Maarouf – Blenton Mjekiqi (82′ Ibrahim Ekinci), Umut Topcu, Eray Derin, Roy Kanagarajah (46′ Hendrik Rupieper), Suan Memedi – Khalid Fathi (19′ Arda Erkan Güven), Damir Begic ©.
Nicht eingesetzte Reservespieler: Dajwar Almoustafa.
Teamoffizielle: Safak Dinkçi (Trainer), Mehmet Dinkçi (Trainerassistent), Manfred Feuerriegel (Mannschaftsverantwortlicher), Benjamin Kollmann (Betreuer).

Personal VfL 07 Bremen:
Eingesetzte Spieler: Safa Kilic – David Pioch, Marco Prigge, Tobias Schöttker – Jankuba Camara (78′ Leon Van-Göns), Nick Enghardt (65′ Ferdi Ibrahim Kök), Süleyman Gencboy, Fabio Perdigao, Jelle Röben ©, Abdessamad Sabbar (85′ Julian Hartkopf) – Charles Ehiogie.
Nicht eingesetzte Reservespieler: Janik Maaß.
Teamoffizielle: Björn Krämer (Trainer), Onno Bours (Trainerassistent, Mannschaftsverantwortlicher), Marcel Wino (Trainerassistent), Sascha Krüger (Mannschaftsverantwortlicher), Marco Slawinski-Richter (Physiotherapeut), Bettina Henze (Betreuerin), Thomas Henze (Betreuer), Andreas Teichler (Betreuer).

Schiedsrichter-Team:
Schiedsrichter: Leon Schneider (SC Weyhe).
Schiedsrichter-Assistenten: Florent Otten (SC Weyhe), Rune Teichert (TuS Schwachhausen).

Strafen:
Gelbe Karten: Umut Topcu (43. Minute, Foulspiel, 1. gelbe Karte in dieser Saison), Blenton Mjekiqi (54′, Unsportlichkeit, 1.), Suan Memedi (60′, Foulspiel, 4.) – Süleyman Gencboy (50′, Unsportlichkeit), Jankuba Camara (76′, Foulspiel, 1.), Leon Van-Göns (90’+3, Unsportlichkeit, 1.).
Gelb-rote Karte: Süleyman Gencboy (62′, Unsportlichkeit 1.).
Rote Karte: keine.

 

Grüße aus dem Statistik-Bergwerk

  • Dieser Sieg war der erste Pflichtspielsieg des BSC Hastedt seit dem 23. Februar 2022 (damals 1:0 bei TuS Komet Arsten). Danach folgten 16 Pflichtspiele hintereinander ohne Sieg – so eine lange Sieglos-Serie gab es in der gesamten Geschichte des BSC Hastedt erst einmal (25. August bis 28. November 2021).
  • Vier Tore in einem Pflichtspiel gelangen dem BSC Hastedt zuletzt am 13. Februar 2022 (damals 7:1 gegen den ESC Geestemünde).
  • Drei Gegentore kassiert und trotzdem gewonnen – das schaffte Hastedt in einem Pflichtspiel zuletzt am 11. November 2018 (damals 6:3 gegen die SG Aumund-Vegesack).